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Geld von der Masse

von Redaktion (Kommentare: 3)

von Jochen Bettzieche


Die GLS-Bank hat eine Crowdfunding-Plattform gestartet. Auch Betriebe aus der Naturkost- und Naturkosmetikbranche sollen hier Investitionen finanzieren können.

Gerade Mal zwei Wochen hat es gedauert, da hatte der Solarpark Bad Rodach seine 400.000 Euro beisammen. Anleger hatten ihm über die neue Crowdfunding-Plattform GLS Crowd das Geld zur Verfügung gestellt. Es war das erste Projekt auf der Plattform, deren Namensgeber die GLS-Bank aus Bochum ist. Mit dem Bank-Motto „Das macht Sinn“ wirbt auch der Crowdfunding-Internetauftritt. Sie zielt auch auf die Bio-Branche.

Über die Plattform können Anleger Unternehmen Geld in Form von Nachrangdarlehen leihen. Mindestbetrag: 250 Euro. Dass trotz dieser niedrigen Schwelle schnell eine hohe Summe zusammen kommen kann, zeigt das Beispiel des Solarparks. Die Unternehmen zahlen den Investoren dafür einen bestimmten Zins und am Ende einer festgelegten Laufzeit das Geld zurück. Das Besondere an der GLS-Crowd: Die GLS-Bank prüft, ob die Projekte den ethisch-ökologischen Kriterien des Instituts genügen. Rüstung, Gentechnik, Atom- und Kohleenergie und vieles mehr sind tabu.

Eingesammeltes Geld zählt zum Eigenkapital

Unternehmern kommt die Konstruktion als Nachrangdarlehen zu Gute. „Dadurch zählt das eingesammelte Geld zum Eigenkapital“, erklärt Thomas Jorberg, Sprecher des Vorstands der GLS-Bank. Und das heißt: Erhält ein Ladenbesitzer oder Lebensmittelhersteller bei seiner Hausbank keinen Kredit für eine Investition, kann er sich alles oder einen Teil davon über Crowdfunding holen. Das stärkt sein Eigenkapital unter Umständen so weit, dass seine Bank künftig wieder Fremdkapital zur Verfügung stellt.

Allerdings zieht Jorberg eine Grenze: „Zunächst gibt es keine Finanzierung von Start-Ups.“ Dafür bräuchte man Hochrisikokapital. Die Anleger, die die Plattform besuchen sollen, entsprächen nicht der Zielgruppe dafür. Sie erwarten auch keine Renditen im zweistelligen Bereich.

Zinsen und Gebühren werden fällig

Kostenlos geben sie ihr Geld aber auch nicht her. Nachrangdarlehen sind in der Regel besser verzinst als herkömmliche Darlehen, da die Geldgeber im Falle einer Insolvenz des Unternehmens meist leer ausgehen. Für dieses höhere Risiko wollen sie auch eine höhere Rendite. Zusätzlich zum Zins werden Gebühren fällig: fünf Prozent für die Vermittlung plus ein Prozent pro Jahr. Diesen Betrag sollte der Unternehmer entweder einkalkulieren oder gleich auf die benötigte Summe aufschlagen.

Ob ein Projekt aufgenommen wird, entscheidet sich immer im Einzelfall. Es gibt aber zwei fixe Grenzen: Damit es nicht zu kleinteilig wird, beträgt das Mindestvolumen eines Nachrangdarlehens 200.000 Euro. Die Obergrenze liegt bei den branchenüblichen 2,5 Millionen Euro. Darüber beginnt die Pflicht, einen Wertpapierverkaufsprospekt zu erstellen.

Geld fließt nur, wenn benötigte Summe zusammen kommt

Offiziell steht die GLS-Bank nicht selbst hinter der Plattform. Betreiber ist die GLS Crowdfunding GmbH, eine Tochter der Crowddesk GmbH. Beide sind nach Angaben der Bochumer von der GLS-Bank unabhängig. „Wir machen nur die inhaltliche Auswahl“, sagt Jorberg.

Die Abwicklung läuft über den Online-Zahlungsdienstleister Secupay. Das Geld fließt an Zahlungstreuhänder, die Commerzbank und die Landesbank Hessen Thüringen. Diese leiten das Geld aber nur dann an das Unternehmen weiter, wenn das Crowdfunding erfolgreich war und die benötigte Summe zusammengekommen ist. Andernfalls erhalten die Anleger ihr Geld zurück.

Wichtig für alle, die ihre Geldgeschäfte über eine herkömmliche Bank oder Sparkasse tätigen: Auch sie dürfen dabei sein. Jorberg zerstreut eventuelle Zweifel: „Man muss nicht Kunde der GLS-Bank sein für die GLS-Crowd.“

Linktipp:

www.gls-crowd.de: Hier finden Sie die neue Crowd-Plattform


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Kommentar von U. Volkgenannt |

Lieber Herr Bettzieche,
bei der GLS-Plattform handelt es sich nicht um Crowdfunding, sondern um Crowdinvesting. Der Unterschied liegt darin, dass man hierbei Geld (in diesem Fall für Umweltprojekte) verliehen wird und damit auch einen Zinsgewinn erwirtschaftet. Beim Crowdfunding (Beispiel: ecocrowd.de) gibt es dagegen nur ein Tauschgut, dass die Projektdurchführenden anbieten.
Schönen Gruß,
U. V.

Kommentar von Jochen Bettzieche |

Sehr geehrte Frau Volkgenannt,

Crowdfunding ist der Oberbegriff für verschiedene Spielarten wie Crowdinvesting, Crowdlending, etc. Auch die GLS-Bank spricht bei der Plattform von Crowdfunding, ebenso, wie sich Bettervest als Crowdfunding-Plattform bezeichnet. Insofern haben auch wir uns für den Begriff entschieden.

Mit freundlichem Gruß
Jochen Bettzieche

Kommentar von U. Volkgenannt |

Lieber Herr Bettzieche,
es stimmt sicher, das Crowdfunding der Oberbegriff ist, aber selbst die GLS sprich nur von der "GLS-Crowd" und im Text von: "Für das Betreiben der Crowdinvesting-Plattform (...). Aber die dafür gegründete GmbH ist dann wie die Crowdfunding-GmbH, also schon ein wenig Begriffsvermischung, was etwas bedauerlich ist, weil sich die Ziele (vor allem die Anlageziele) dann doch sehr unterscheiden.

Schönen Gruß,
U.V.



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