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Gala der "Besten Bio-Läden": Titel, Töpfer, Temperamente

von Horst Fiedler (Kommentare: 0)


Große Bühne für tolle Leistungen: Fünf Läden erhielten die Schrot&Korn-Ähre, darunter ebl-Naturkost Laufamholz aus Nürnberg

Mit einer großen Gala wurden gestern auf der BioFach die „Besten Bio-Läden“ Deutschlands gefeiert. Die Paten der Gold-Gesamtgewinner aus der Schrot&Korn-Leserwahl brachten wertvolle Geschenke mit. Stargast war Ex-Umweltminister Klaus Töpfer, der Renate Künast im Schlepptau hatte.

„Ihr seid die Heimat von Bio“, rief Stephanie Silber, verantwortliche Redakteurin von Schrot&Korn in ihrer Eröffnungsrede den Gewinnerinnen und Gewinnern zu, die zur Urkunden-Verleihung nach Nürnberg gekommen waren (Bilder aller anwesenden Gewinner finden Sie am Ende dieses Artikels). Rund 200 Akteure aus der Bio-Branche nahmen an dem Event teil, durch das der Food Aktivist Hendrik Haase führte.

Hulc BioFood aus Köln wurde Gesamtsieger in der Kategorie Bio-Fachgeschäfte (100 bis 399 qm). In dem Laden tanzen Kunden schon mal nach mit Gema-Gebühren bezahlter Musik, sagte Schrot&Korn-Redakteurin Gabriele Augenstein in ihrer Laudatio, die sie mit viel Witz wie eine gestandene Schauspielerin vom Wiener Burgtheater vortrug. Gewinnerpate Rapunzel spendete dem Laden einen Besuch des Eine-Welt-Festivals in Legau, wo auch Konstantin Wecker singen wird, wie Marketingbeauftragte Heike Kirsten ankündigte. Von Oatly-Mitinhaber Bengt Ankern gab es neben Frühlingsblumen aus Schweden „viel Hafer mit Wasser“ und einen Gutschein für eine Verkostung, bei der er persönlich anwesend sein will.

Für alle anderen Goldgewinner in der Kategorie Bio-Fachgeschäfte spendete Ökoland Verkostungen. Geschäftsführer Patrik Müller sagte mit Blick auf die Naturkostbranche: „Verlässlichkeit und Partnerschaft wird oft mit gekreuzten Fingern hinter dem Rücken versprochen. Wir wollen Euch unterstützen und sind stolz auf die Patenschaften.“ Bio Planète unterbreitete den Läden das Angebot, sie beim Verkauf regionaler Produkte zu unterstützen und bot dazu eine Patenschaft von einem Jahr an.

„Wir brauchen Mut, keine Wut“

Gewohnt temperamentvoll stürmte Sonnentor-Chef Johannes Gutmann auf die Bühne. „Ihr seid alle Gewinner“, rief er in den Saal. Der Pate für die Bioläden (bis 99 qm) gab den Läden in der Zeit verstärkten Wettbewerbs Hoffnung: „Wir brauchen Mut, keine Wut. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende.“ Bei ihm sei es auch so gewesen: „Erst ausgelacht, dann bedacht und dann nachgemacht.“ Er lud alle Goldgewinner zum Kräuterfest ins Waldviertel nach Wien ein und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ihr seid für uns aber wichtiger, wenn Ihr wieder zuhause seid.“

Die beiden Vertreterinnen des Gesamtgewinners Bioladen Hadamar-Faulbach waren nicht nach Nürnberg gekommen: Die eine hatte Geburtstag, die andere musste den Laden-Betrieb aufrechterhalten. Dennoch gab es große Geschenke: BioVegan-Chefin Nicol Gärtner versprach Display-Aktionen mit Neuprodukten und einen Werksbesuch. Die Reisekosten werden nicht hoch sein, denn „das sind meine Nachbarn, die führen schon lange alle unsere Produkte“. Eine Einladung zum Werksbesuch sprach auch Ulrich Rüben aus, Vertriebsleiter bei Bauckhof. Produktmäßig wolle er „Helga und Uschi“ dort abholen, wo sie gerade stehen.

Klaus Töpfer (Mitte) lobte den Bio-Landbau, Renate Künast forderte, aus externen Kosten interne zu machen. Links: Moderator Hendrick Haase.

6 Läden und 5 Kinder in 10 Jahren

Bei den Bio-Supermärkten gab es zwei Gold-Gesamtgewinner. Biomammut-Inhaber Roland Harter, der mit seinem Laden in Böblingen gewonnen hat, wurde dafür bewundert, in zehn Jahren sechs Läden eröffnet und nebenbei fünf Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Seine Frau erhielt einen Sonderapplaus, da die Kinder wohl eher ihre Sache gewesen seien. Damit die beiden sich mal ausruhen können, spendierte Provamel einen Bio-Hotel Gutschein. Für den Laden gibt es Displays und Verkostungen. Für Barnhouse lud Bettina Rolle zum Sommerfest ein und überbrachte einen Geschenkkorb mit exklusiven Krunchy-Mischungen.

Der zweite Gewinner bei den Bio-Supermärkten ist die Filiale Laufamholz von ebl in Nürnberg. Für das junge Team organisiert die Bohlsener Mühle eine Tour von Franken nach Bohlsen mit Führung durch den Betrieb und anschließendem Picknick in der Heide. Dann geht es nach Visselhövede, wo das erste Quinoa in Deutschland angebaut wird. Von dort ist es nicht mehr weit zum zweiten Paten Sodasan, der zu einer Firmenbesichtigung und einem Seifenworkshop einlädt. „Eine Verkostung bietet sich bei uns ja nicht an“, sagte Geschäftsführer Jürgen Hack.

Für die weiteren Gold-Gewinner in der Kategorie Bio-Supermärkte spendet Allos Verkostungsaktionen und eine Einladung für zwei Personen zur Besichtigung der Hofmanufaktur in Drebber mit Hotel-Übernachtung. Logona will individuell absprechen, wie die Läden am besten unterstützt werden können.

Voelkel pflegt Streuobstwiesen in Wittlich

Ein ganz außergewöhnliches Geschenk hat Stefan Voelkel dem Goldgesamtgewinner in der Kategorie Hofläden gemacht: Er will die Streuobstwiesen des Demeter-Hofes Breit der Familie Brandsma in Wittlich pflegen - und wo nötig mit neuen Apfelbäumen bestücken. Damit soll die regionale Saftproduktion gefördert werden, die der Hof jetzt schon betreibt. Bioland stiftet eine Exkursion zu Bioland-Betrieben, um den Kollegen mal über die Schulter schauen zu können. Dieses Angebot erhalten auch die Hofläden, die Gold gewonnen haben.

Mit „People for Soil“ Böden retten

Ex-Umweltminister Klaus Töpfer richtete in seinem Grußwort den Blick auf die vernachlässigten Böden: “Wir verlieren pro Jahr 20 Milliarden Tonnen davon, durch Erosion und Kontamination.“ Die Bio-Landwirtschaft schont die Böden“, lobte er und warb dafür, sich in der Initiative „People for Soil“ zu engagieren. Ihn regt auch auf, dass jährlich zehn Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Launig meinte Töpfer zu den Naturkosteinzelhändlern: „Warum laden Sie uns nicht mal zu einer Tour durch die Läden ein?“ Mit uns meinte er sich und Ex-Landwirtschaftsministerin Renate Künast, die sich dafür aussprach, Wirtschaften anders zu definieren. Für die gesamte Wirtschaft solle gelten, dass externe Kosten interne werden. Die konventionelle Landwirtschaft sei keine Marktwirtschaft, sondern eine Staatswirtschaft.

Der Dokumentarfilmer Valentin Thurn äußerte sich ebenfalls zu den Auswüchsen des Agrarsystems der Industrieländer. Es gefährde die Existenz von Kleinbauern in Drittländern. Er sieht es als notwendig an, dass auch für kleine Bauern geforscht werden müsse, damit diese unabhängig wirtschaften könnten. Viel Applaus gab es für die Regierung von Bhutan, die 100 Prozent Bio anstrebt, wie Stephanie Silber berichtete. Die verantwortliche Schrot&Korn-Redakteurin war dort kürzlich bei Irmela Harz zu Besuch, die den Gala-Gästen ein Lemon-Gras-Projekt vorstellte, an dem sie mitarbeitet. 

Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren, warb für ein gemeinsames Kennzeichen für den Fachhandel, damit ein Bioladen auch in fünf Jahren noch eindeutig zu erkennen sei. Für den Baum der Liebeserklärungen an Bio, den die Teilnehmer zu füllen hatten, hatte sie den wohl originellsten Spruch: „Ich liebe Bio, weil es so schön unkonventionell ist.“

(Bilder: Thomas Langreder und Peter Roggenthin)


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