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Fairer Handel: „Entwurf für eine globale Wirtschaftsform“

von Natascha Becker (Kommentare: 0)


Peter Schaumberger © Gepa
Peter Schaumberger, Geschäftsführer Marke und Vertrieb bei der Gepa © Gepa

Peter Schaumberger ist seit Februar dieses Jahres Geschäftsführer Marke und Vertrieb bei der Gepa. Wir sprachen mit ihm über die Ziele für die nächsten Jahre und über das neue Afrika-Sortiment, das in erster Linie über den Bio-Fachhandel vertrieben wird.

Herr Schaumberger, haben Sie sich gut in Wuppertal eingelebt?

Ja. Ich habe ja bereits 2009/2010 als Interimsmanager für die Gepa gearbeitet, kannte sie also schon ganz gut.

Was hat Sie im ersten halben Jahr besonders beschäftigt?

Mein Schwerpunkt lag erst einmal in der Analyse – wo stehen wir? Meinem Vorgänger Robin Roth ist es zu verdanken, dass sich die Gepa in den vergangenen Jahren als Marke etabliert hat. Und der Claim „Fair plus“ unterstreicht noch einmal den Anspruch der Gepa, beste Fair Trade-Produkte anzubieten. Diesem Anspruch wollen wir weiterhin gerecht werden und neue Themen über die Mindestanforderungen hinaus setzen.

Wie soll das konkret aussehen?

Ein Beispiel ist die Wertschöpfung in den Ursprungsländern. Hier gibt es vor allem zwei Probleme zu lösen: Das erste ist der Geschmack. Man muss mit den Produkten den europäischen Geschmack treffen. Kaffee beispielsweise schmeckt je nach Herkunftsland ganz anders und auch in den einzelnen Ländern sind die Geschmäcker sehr unterschiedlich. Zweites Problem ist das MHD: Es startet bereits in den Ländern und somit verkürzt sich die Lagerzeit hier.

Was steht als nächstes auf Ihrer Agenda?

Wir wollen mehr auf die Nord-Süd-Produktion setzen und alle Zutaten für unsere Produkte aus Fairem Handel generieren. Bei einigen Produkten können wir das bereits. Fair Trade soll nicht als Almosen-Thema betrachtet werden. Es geht darum, den Menschen ein gutes Auskommen durch ihrer Hände Arbeit zu ermöglichen. Deswegen engagiert sich die Gepa auch politisch. Der Faire Handel steht quasi über den beiden gegensätzlichen globalen Strömungen – Protektionismus auf der einen Seite, der nur die eigene Wirtschaft stärken will, und absoluter Freihandel auf der anderen Seite, bei dem es um möglichst geringe Produktionskosten mit möglichst geringen Auflagen geht.

Wo sehen Sie den richtigen Weg?

Für uns entsprechen die Standards des Fairen Handels einem Entwurf für eine globale Wirtschaftsform. Nicht zuletzt deshalb haben wir eine eigene Abteilung Grundsatz und Politik, die beispielsweise Veranstaltungen zum Thema Klimagerechtigkeit organisiert. In manchen Ländern leiden unsere Partner extrem unter dem Klimawandel und sie erwarten von uns, dass wir das hier in Europa zu Gehör bringen. Wir betrachten uns als Wertegemeinschaft, Wirtschaften ist für uns Mittel zum Zweck, um unseren Auftrag – einen fairen Handel – zu erfüllen. Deshalb pflegen wir mit unseren Handelspartnern auch Beziehungen auf Augenhöhe.

Gibt es konkrete Projekte?

Eines unserer derzeitigen Projekte sind Schülerfirmen an Schulen. Das bedeutet: Die Schüler verkaufen in den Pausen am Schulkiosk faire Produkte, sollen aber auch dafür sorgen, dass sich das Ganze wirtschaftlich trägt. Alle, die teilnehmen, sind wirklich mit Begeisterung dabei. Bevor sie von der Schule abgehen, müssen die Schüler die Firma an die unteren Klassen übergeben und üben so das Thema Nachfolge. Überhaupt wollen wir uns mehr hier an unserem Standort Wuppertal einbringen – in zwei Jahren soll diese Stadt Hauptstadt des Fairen Handels werden.  Dazu wird die Gepa natürlich auf einem Schokoladenfestival präsent sein.

Manche Rohstoffe werden wegen der großen Nachfrage knapp. Betrifft das auch die Gepa?

Hier zahlt sich die wechselseitige Unterstützung zwischen Gepa und ihren Lieferanten aus. Unser Ziel ist es, unsere Partner aufzubauen. Wir wollen nicht der einzige Abnehmer sein, sie sollen auch andere Kunden gewinnen. Wenn allerdings Rohstoffe knapp werden, bedienen unsere Partner in der Regel zuerst uns – da halten sie der Gepa die Treue. Schließlich arbeiten manche von ihnen schon seit 30 Jahren mit uns zusammen.

Welche Neuerungen planen Sie außerdem?

In Zukunft werden wir den Fokus stärker auf Afrika legen und im Herbst ein neues Sortiment aus diesem Kontinent auf den Markt bringen. Waren aus Afrika zu importieren ist sehr anspruchsvoll, weil Infrastruktur und Exporterfahrung ganz unterschiedlich sein können. Deshalb besteht unser neues Sortiment zum Start aus acht Produkten, denn die Produktentwicklung war nicht einfach. Nach und nach werden wir die Palette – drei Kaffee- und fünf Schokoladen-Sorten sowie ein Kakao  – dann erweitern.

Ist das neue Sortiment auch bio?

Ja, zu 100 Prozent. Ein Novum ist, dass dieses Sortiment ausschließlich im Naturkostfachhandel, in Eine-Welt-Läden und über unseren Online-Shop vertrieben wird. Schon bei der Entwicklung haben wir deshalb mit dem Fachhandel und dem Bio-Großhandel zusammengearbeitet.

Und was ist dabei herausgekommen?

Unter dem Claim „Taste fair Africa“ haben für den Handel ein Marketing-Paket geschnürt, mit dem die Händler in ihren Läden das Sortiment präsentieren, aber auch die Kunden für das Thema sensibilisieren und informieren können. So gibt es beispielsweise einen Bodenaufkleber mit dem Umriss Afrikas, der vor dem Regal auf das Sortiment hinweist. Auf diesem Aufkleber ist übrigens auch die kleine Insel São Tomé zu sehen. Von dort kommt unser Bio-Kakao. Außerdem Regal-Wobbler, Info-Flyer und Broschüren.

Auf der Weiling-Hausmesse im September soll das Afrika-Sortiment Weltpremiere feiern. Erstmalig sind unsere Produkte auch bei diesem Großhändler gelistet, das waren wir bisher noch nie.

Wie hoch ist der Bio-Anteil der Gepa-Produkte zurzeit?

Zurzeit beträgt der Bio-Anteil unseres gesamten Sortiments gut 80 Prozent und dieser Anteil soll weiter wachsen. Wir unterstützen unsere Handelspartner bei der Umstellung. Aber wir sind nicht deren einzige Kunden, und manchmal können oder wollen unsere Partner nicht umstellen. Dann können und wollen wir ihnen nach 30 Jahren Zusammenarbeit aber auch nicht kündigen. Gleichzeitig haben wir aber einen Fonds für Beratung eingerichtet, der unsere Lieferanten bei der Umstellung berät und unterstützt.


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