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Die Regionalwert AG finanziert Bio-Projekte

von Karin Heinze (Kommentare: 2)


Regionalwert Biomarkt Waage in Emmendingen

Bild: Regionalwert Biomarkt Waage in Emmendingen

Die Regionalwert AG Freiburg ist vor zehn Jahren entstanden. Mit dem Kapital ihrer Aktionäre hat sie bisher einiges geschaffen. Die Spannbreite der neuen Betriebe und Werte in der Region reicht von der Landwirtschaft und Verarbeitung über die Vermarktung  bis zur Gastronomie. Die gesamte Wertschöpfungskette ist abgebildet. Das Freiburger Modell wurde auch in anderen Regionen vervielfältigt. Gründer und Vorstandsvorsitzender Christian Hiß ist überzeugt, dass Bürgerbeteiligungsgesellschaften das adäquate Instrument für einen ökologisch-sozialen Umbau der Gesellschaft sind.  



Christian Hiß Vorstandsvorsitzender der Regionalwert AG Freiburg

Bild: Christian Hiß, Vorstandsvorsitzender der Regionalwert AG Freiburg, zeigt die ersten Produkte der Regionalwert Bio-Manufaktur

Vor zehn Jahren hat Christian Hiß den Platz am Pikiertisch seiner Demeter-Gärtnerei in Eichstetten mit dem Bürostuhl in den Räumen der von ihm gegründeten Regionalwert AG Freiburg eingetauscht. Er vermisst das Gewächshaus selten, denn er ist beseelt von der Idee, die damals in einem partizipativen Prozess entstanden und von einer Gruppe von rund 100 Personen gemeinsam entwickelt worden ist. Die Idee, Wertschöpfung in der Region für die Region zu ermöglichen. Ökologische Lebensmittel vom Acker auf den Teller zu bringen. 



23 Betriebe finanziert

Aktuell bringen 650 Aktionäre drei Millionen Euro Kapital in die AG ein. Eine Kapitalerhöhung von 1,5 Millionen Euro soll Ende Januar 2017 abgeschlossen sein. Eine ganze Reihe neuer Projekte soll mit diesem Geld angeschoben werden. Derzeit machen 23 operative Betriebe den Wert der Regionalwert AG (RWAG) Freiburg aus, deren „Region“ sich auf etwa Viertel des Landes Baden-Württemberg beschränkt, den Regierungsbezirk Freiburg. „Wir sind weder eine Bank noch eine klassische Beteiligungsgesellschaft, wir sind ein Unternehmen zur Entwicklung der ökologischen Regionalwirtschaft, denn wir vergeben nur Eigenkapital und die Aktionäre sind an Verlusten genauso beteiligt wie an Gewinnen“, definiert Christian Hiß das Wirken der Regionalwert AG. „Wir schaffen Werte, aber nicht nur unbedingt monetärer Art und vor allem nicht mit schneller Rendite. Wir sind Öko-Ermöglicher“.

Der Regionalwert Biomarkt Waage hat sich mit seinem Sortiment und seinem Service eine treue Stammkundschaft erarbeitet

Aus seiner Sicht wird es in Zukunft immer weniger ausschlaggebend sein, nur Gewinnmaximierung im üblichen Sinne zu erzielen, sondern gleichzeitig auch nachhaltig sichere Werte zu schaffen, und das sei Ziel der RWAG. „Fruchtbarer Boden, genetische Vielfalt in der Landwirtschaft, aber auch selbständige Unternehmen in der handwerklichen Verarbeitung und in der Vermarktung ökologischer Lebensmittel, die untereinander kooperieren, das sind zukunftstragende ökonomische Werte“, ist er überzeugt. Ein heruntergewirtschafteter Boden verliert auch an wirtschaftlichem Wert, nicht nur an ökologischem. Erst der Gesamtblick zeige, ob langfristig wirtschaftlich gewirtschaftet wurde.

Die Wertschöpfungskette ist komplett

Die landwirtschaftliche Erzeugung ist das Fundament der Wertschöpfungskette. Deshalb legt die Regionalwert AG besonderen Wert auf die Förderung in diesem Bereich. Gerade im Ausbau des ökologischen Landbaus, bei Landkauf, Zupachtungen, Erweiterungen von Ställen, Investitionen in Bauten oder Maschinen, aber auch für außerfamiliäre Existenzgründungen fehlt nicht selten das Kapital. Generationswechsel ist ebenfalls ein großes Thema. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat sich die Regionalwert AG an sechs Höfen finanziell beteiligt und ihnen so Zukunft ermöglicht.

Klaus Pleul und Barbara Erb betreiben den Regionalwert Biomarkt Waage

Bild: Klaus Pleuler und Barbara Erb betreiben den Regionalwert Biomarkt Waage

Wenn Produkte erzeugt worden sind, müssen sie vermarktet werden. Der Regionalwert Biomarkt Waage ist ein gutes Beispiel. Klaus Pleuler und Barbara Erb sind alte Hasen: Sie haben vor 25 Jahren mit einem 58 Quadratmeter Naturkostladen in Emmendingen begonnen. Aus eigener Kraft erweiterten sie auf 130 Quadratmeter. Als auch diese Fläche zu klein wurde, ihnen aber das Geld für eine Investition fehlte, wendeten sie sich an die Regionalwert AG. Vor fünf Jahren eröffnete der Regionalwert Biomarkt Waage nach einer grundlegenden Sanierung und einem Investment von 300.000 Euro an einem ehemaligen Tengelmann-Standort auf 500 Quadratmetern. Die hochwertige Einrichtung vom Holzhof bezahlte die RWAG Immobiliengesellschaft und verpachtet sie an die Betreibergesellschaft der Regionalwert AG. Aktuell wird die Erweiterung des Regionalwert Biomarktes Naturalia von 100 auf 350 Quadratmeter von der RWAG begleitet. Der Bio-Einzelhandel ist für die RWAG in der lokalen Wertschöpfungskette ein wichtiger Baustein. Vor kurzem hat sie mit den beiden Naturkostgroßhändlern in der Region Bodan und Rinklin zusammen eine neue Gesellschaft zur Entwicklung und Förderung des ortstreuen Bio-Einzelhandels gegründet.

 

Ausbau der Verarbeitung in Planung

Im Geschäft von Barbara Erb und Klaus Pleuler stehen auf einem Extra-Tisch, vor der klimatisierten Obst- und Gemüseraum, Gläser mit Erdbeer und Pflaumenmarmelade aus der Regionalwert Biomanufaktur. Lebensmitteltechnologin Juliane Ankenbrand hat sich mit Hilfe der RWAG mit der Veredlung von Obst und Gemüse zu Marmeladen, Saucen und Suppen, in Kooperation mit Emil´s Saucen selbständig gemacht. Die Regionalwert AG finanzierte die Einrichtung der Einmachküche mit 100.000 Euro.

Das Adelhaus ist ein bio-veganes Buffet-Konzept

Bild: Das Adelhaus ist ein bio-veganes Buffet-Konzept

Innovatives gastronomisches Konzept

Jüngstes Kind der RWAG ist das Adelhaus. Gastronom Rolf Umhauer hat sich mit seiner Idee eines vegetarischen Bio-Buffets an Christian Hiß gewandt. Nach der Prüfung des Konzepts gab der Aufsichtsrat dem Vorstand grünes Licht für eine Investition von rund 250.000 Euro. Der attraktive Standort in der Altstadt, das so genannte Adelhaus, suchte neue Pächter. Nach kurzer intensiver Renovierungsphase, eröffnete das Bio-Restaurant mit je 70 Innen- und Außenplätzen im Juli und begrüßt seither täglich viele Gäste, die das 100 Prozent Bio- und Veggie-Angebot schätzen. Die Zutaten für Tagesmenü und das große Salatbuffet kommen von Regionalwert-Mitgliedbetrieben, beispielsweise vom Breitenwegerhof, von der Gärtnerei Querbeet und vom Naturkostgroßhändler Rinklin.

40 Salate stehen neben den Tagesgerichten zur Auswahl

Bild: 40 Salate stehen neben den Tagesgerichten zur Auswahl

Perspektiven – neue Projektideen

Bedarf beim sozial-ökologischen Ausbau sieht Christian Hiß derzeit besonders in der  Schulverpflegung. Eine Idee wurde bereits umgesetzt, sucht jedoch noch einen Betreiber. Die „Vesperbox“ auf Rädern soll Schulen mit vorgepackten Pausensnacks versorgen. „Der Raum Freiburg verträgt noch viel mehr Bio und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit neuem Kapital im nächsten Jahr durchstarten können“, sagt Hiß. Allerdings wünscht er sich auch Unterstützung durch die öffentliche Hand. „Denn wir übernehmen öffentliche Aufgaben, die normalerweise eigentlich Sache der kommunalen Wirtschaftsförderung wäre“, so Hiß. Es wird zwar häufig von sozial-ökologischer Wirtschaft gesprochen, doch bislang hätten die Gespräche mit der Politik und den Kommunen noch keine konkrete Förderung ergeben. „Wir werden unsere Arbeit hin zu einer regionalen sozial-ökologischen Versorgungswirtschaft jedenfalls fortsetzen und sehen den mündigen Verbraucher als unseren Auftraggeber“, erklärt Hiß und nennt das „Konvivialismus“ und „Lebensmitteldemokratie“.

Die mobile Vesperbox ist eine weitere Idee der Regionalwert AG

Bild: Die mobile Vesperbox ist eine weitere Idee der Regionalwert AG



Eine Idee, die sich vervielfältigen lässt

Die Freiburger Regionalwert AG lieferte die Blaupause für drei weitere Regionalwert AGs: Nach und nach entstanden sie in Bayern , im Hamburger Raum und im Rheinland. Das Freiburger Modell stand jeweils Pate und Christian Hiß leistete Beratung und Unterstützung bei den Gründungen - man ist im Austausch. Derzeit geben drei Regionalwert AG, die RWAG Hamburg, die RWAG Rheinland und die RWAG Freiburg neue Aktien aus.


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Kommentar von Demian |

Der Name von Klaus Pleuler ist nicht "Pleulec" sondern "Pleuler"

Kommentar von M. Steger |

Vielen Dank für den Artikel, nun steht die Gründung der Regionalwert AG für Berlin & Brandenburg am Start: https://biobeteiligungsportal.wordpress.com/2016/11/10/regionalwert-ag-fuer-berlin-und-brandenburg-in-der-startphase/

Anfang Februar findet die Vorgründungsversammlung statt und im März soll dann die AG notariell errichtet sein. Wer Interesse hat, kann sich gern bei uns melden :-)



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