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Bio auf dem Weg in die Zukunft – 15 Jahre AöL

von Daniela Nickel (Kommentare: 0)


Susanne Horn, Klaus Hammelbacher,Dr. Bernd Bohrer

Vorstandsmitglied Susanne Horn (Neumarkter Lammsbräu), Klaus Hammelbacher (Maintal Konfitüren) und Dr. Bernd Bohrer (B+B Biotech) bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen der AöL. (Alle Fotos © Daniela Nickel)

„Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?“ unter diesem Motto trafen sich kürzlich Vertreter der Bio-Branche zum 15-jährigen Bestehen der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) in Fulda. Neben der Rückbesinnung auf die Anfänge der einstigen Bio-Pioniere vor gut 40 Jahren, lag der Veranstaltungsschwerpunkt auf der Frage, wie die Branche in Zukunft gestaltet werden kann.

Als die Bio-Bewegung noch in den Kinderschuhen steckte und viele der ersten Öko-Unternehmer als hoffnungslose Träumer abgestempelt wurden, sei man sich über eines einig gewesen, so Volker Krause von der Bohlsener Mühle: „Es läuft falsch.“ Und so einen Themen wie Hofschließungen, Versiegelung der Böden, Verunreinigung der Flüsse sowie das Wald- und Artensterben die Akteure der Branche bis heute. Gegenwärtig treffen Bio-Hersteller auf noch ganz andere komplexe Herausforderungen, wie etwa die Digitalisierung sowie die sukzessive Konventionalisierung ökologischer Lebensmittel, durch die sich klassische Unternehmensformen mehr und mehr auflösen.

Volker Krause, Bohlsener Mühle

Volker Krause ließ die Anfänge der Bohlsener Mühle und der Öko-Branche noch einmal aufleben.

Im Zuge dieser Entwicklungen sehen viele Vertreter der Bio-Branche die Gefahr, dass der ökologisch geprägte Markt in konventionellen Strukturen untergehen und somit viele Ziele sowie Ideale der wertorientierten Bewegung auf der Strecke bleiben könnten. Diese Ängste seien laut Krause natürlich berechtigt – protektionistischen Bestrebungen, Entwicklungen dämpfen zu wollen, sagt der Branchen-Pionier allerdings nicht viel Erfolg voraus. Um sich den Weg in die Zukunft zu ebnen, müssen Unternehmen vielmehr begreifen, dass Entwicklungen eher chaotisch als geradlinig seien. Nur rationales, nachhaltiges Denken und Wirtschaften können Grundlage für einen Transformationsprozess sein. Dabei spielt für den Geschäftsführer der Bohlsener Mühle auch die Verantwortung der Unternehmen eine tragende Rolle, denn das Bild vieler Produkte präge nicht nur das Bild der Welt, sondern auch die Gesellschaft.


Branche am Scheideweg

Dr. Alexander BeckNach mittlerweile 15-jähriger Mitgliedschaft in der AöL, zieht Geschäftsführer Dr. Alexander Beck vor allem ein gutes Resümee, denn die Bio-Branche habe erfolgreich gezeigt, dass eine qualitativ hochwertige Lebensmittelproduktion durchaus ohne fragwürdige Zusatzstoffe auskommt, und so zu einer positiven Entwicklung beim Konsumenten beigetragen. Dennoch sieht Beck die ökologische Branche an einem Scheideweg. Erzeuger, Hersteller, Zulieferer sowie Händler von Bioprodukten stehen heute denn mehr denn je vor essentiellen Fragestellungen. Gemeinsam, aber auch im Einzelnen, müssen sie Antworten darauf finden, welche Rolle sie am expandierenden Markt einnehmen können, wie sie künftig mit Innovationen umgehen wollen und wie die Sortenvielfalt aktiv geschützt und erhalten werden kann.

Um Lösungen für die aktuellen und zukünftigen Probleme finden zu können, brauche es unternehmerische Gestaltungsimpulse, so Beck. Wichtig sei, dass die Bio-Branche sich ihren wissenschaftlichen Background erhält und zunutze macht, um „gute und belegte Antworten“ auf viele Fragen liefern zu können. Die nächste Runde im Zuge der Herausforderung „organic 3.0“ und damit der Konventiontionalisierung der Branche, könne jedoch keineswegs mit einem einfachen „dagegen“ gestemmt werden, da ist sich AöL-Vorstandsmitglied Beck sicher. Um weiterhin mit beiden Beinen fest in der Branche stehen zu können, müsse man Sorge dafür tragen, dass sowohl der ganzheitlich naturalistische Lebensmittelbegriff gefördert als auch die Vereinbarkeit von Gerechtigkeit und Marktwirtschaft immer wieder diskutiert wird. Nur auf diesem Weg könne man Bio zukunftsfähig machen und eine Hinwendung zum Ersatz natürlicher Nahrung etwa durch Labor Food verhindern. Beck jedoch, der sich selbst als Optimist versteht, ist überzeugt, dass die Werte der Bio-Ursprünge von vor fast einem halben Jahrhundert durch Bewegungen wie Urban Gardening und Solidarische Landwirtschaft in der jüngeren Generation weiterleben.

Bild - Dr. Alexander Beck spricht über die Zukunft der Bio-Branche.

 

Zwei Generationen, gleiche Werte

Peter Geldner, Christina Marcon, Dr. Robert Hermanowski

Im Gespräch zwischen den Generationen: AöL-Gründungsmitglied Peter Geldner (Meyermühle), Christina Marcon (Meyer Gemüseverarbeitung) und FiBL-Geschäftsführer Dr. Robert Hermanowski.

Im Anschluss an die Vorträge von Volker Krause und Alexander Beck widmeten sich Jungunternehmerin Christine Marcon von Meyer Gemüseverarbeitung und AöL-Gründungsmitglied Peter Geldner einem von FiBL-Geschäftführer Dr. Robert Hermanowski moderierten Dialog zwischen den Generationen. Obwohl es von den Zeiten der Bio-Anfänge bis heute natürlich auch Momente des Zweifelns gab, sind sich beide AöL-Mitglieder darüber einig, dass an Bio letztendlich kein Weg vorbei führt. „Es gibt nur den einen richtigen Weg.“ sagt Christina Marcon, die selbst Ökonomie der Nachhaltigkeit studierte, entschlossen und plädiert trotz komplexer Hürden im Bio-Bereich dafür, dass die etablierten Werte der Branche auch im Zuge der Digitalisierung nicht vergessen werden dürften. Rückblickend ist Peter Geldner (Meyermühle) vor allem dankbar für die guten Umsatzentwicklungen des Bio-Marktes, jedoch freut er sich auch über den positiven Wandel im konventionellen Handel – der nicht zuletzt durch die Werte der Bio-Branche mitbeeinflusst wurde. „Nicht locker lassen“ solle die kommende Generation, denn Bio sei „noch immer die umweltfreundlichste Form der Landwirtschaft“, so Geldner.

 

„Wie sieht Bio 2050 aus?“

Langsam, aber sicher, verabschiedet sich die Generation der Pioniere aus dem Biolebensmittelgeschäft und der hochqualifizierte, kreative Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern, um alte Werte zu bewahren, dabei aber ganz sicher auch neue Wege zu gehen. Getrieben von der Frage, wohin sich die Bio-Branche entwickeln soll und welche Rolle junge Ökohersteller dabei einnehmen können, gründete sich bereits im letzten Jahr die „Junge AöL“, ein neuer Arbeitskreis aus jungen Ökounternehmern innerhalb der AöL.

Wie sieht Bio 2050 aus?

Auf großen Plakaten trugen die Teilnehmer des World Cafés ihre Ideen zum Thema "Bio in 2050" zusammen.

Mit der Gestaltung eines World Cafés mit dem Schwerpunkt „Wie sieht Bio 2050 aus?“ übernahm die Junge AöL, vertreten durch Oliver Freidler (Alb-Gold), Johannes Ehrnsperger (Neumarkter Lammsbräu), Lisana Hartl (Münchner Kindl), Christina Marcon (Meyer Gemüseverarbeitung), Aaron Drosihn (Tofutown), Fabian Breisinger (AOT) und Markus Pscheidl (Kramerbräu), die Moderation des interaktivsten Teils der Veranstaltung. An ingesamt sechs Stationen mit verschiedenen Schwerpunkten luden die Jungunternehmer die anderen Gäste dazu ein, in die Zukunft zu blicken und zu diskutieren, wie Bio in 2050 aussehen könnte.

Christina Marcon, Volker Krause, Jörn Herrmann

Christina Marcon, Volker Krause, Jörn Herrmann und die anderen Veranstaltungsteilnehmer diskutierten engagiert, wie Bio in 2050 aussehen könnte.

Schwarzmalerisch zeigten sich die Teilnehmer dabei keineswegs, denn nebst einigen negativen Szenarien wie der enormen Verknappung und Verlagerung der Rohstoffe sowie der Ernährung durch Labor Food, kamen viele postive Perspektiven zur Sprache. So wäre es etwa möglich, dass Bio und Nachhaltigkeit konzeptionell gänzlich zusammenwachsen, das ökologische Produkte verglichen zu konventionellen günstiger werden und das wichtige biologische Grundlagen wie Bodenfruchtbarkeit und Sortenvielfalt als höchstes Gut betrachtet werden.


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