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Bio 3.0 – Öko-Verbände stellen Diskussionspapier vor

von Alexander Reinbold (Kommentare: 1)


FiBL-Direktor Urs Niggli © Annegret Grafen (Bioland e.V.)

Bioland, Naturland, Bio Austria und Bio Suisse haben zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ein Papier zur Zukunft des Ökolandbaus und der ökologischen Lebensmittelwirtschaft erstellt. „Wege zu mehr Bio in Europa und weltweit“ heißt es und soll die lebendige Diskussion zum Biolandbau 3.0 vorantreiben, erklärten die Verbände anlässlich der BioFach. FiBL-Direktor Prof. Dr. Urs Niggli stellte es in den Grundzügen vor.

„In der Branche herrscht Einigkeit, dass Bio keine Nische bleiben darf“, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge in der anschließenden Diskussion. Differenzen gebe es allerdings bei der Frage nach dem „Wie“, „und zwar nicht nur verbandsübergreifend, sondern quer durch die Organisationen“, so Plagge weiter. Wenn es um die Zukunft des Ökolandbaus gehe, müsse man sich „gedanklich öffnen und auch Themen ansprechen, die vorher Tabu waren“, ergänzte Rudolf Vierbauch, Obmann von Bio Austria.

Vier Zukunftsszenarien entwickelt

So verweisen die Verfasser in der Einleitung auch darauf, das Papier sei „keine in Stein gemeißelte Position und biete auch keine Blaupause für eine erfolgreiche Entwicklung.“ Vier Zukunftsszenarien haben die Verbände entwickelt, um die zentralen Herausforderungen zu meistern, denen sich der Ökolandbau aus ihrer Sicht gegenübersieht: mangelndes Wachstum der landwirtschaftlichen Erzeugung, die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitspolitik, Schwachstellen in den regionalen und globalen Wertschöpfungsketten sowie die zu verbessernde Kommunikation mit den Verbrauchern und die Bildung von Allianzen mit anderen Nachhaltigkeitsinitiativen.

Szenario 1 setzt die kontinuierliche Entwicklung des Biolandbaus fort. Die Richtlinien bleiben stärker von den Ideen der Pionierjahre geprägt als vom wissenschaftlichen Fortschritt im Kontext der Nachhaltigkeit. Das Wachstum aus der Nische wird in diesem Szenario nur in Einzelfällen möglich sein. Weil hier keine radikalen Veränderungen auftreten, ist die Bezeichnung Biolandbau 2.1 treffender.

Szenario 2, das „Qualitäts- und Werte-Bio“, richtet sich an sehr bewusste Verbraucher. Für eine höhere Qualität müssen die Richtlinien angepasst werden, zum Beispiel in der Fütterung der Wiederkäuer oder im Pflanzenbau. Biospezifische Eigenschaften müssen durch restriktive Richtlinien garantiert werden. Dies betrifft auch die Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln, und zwar sowohl Zutaten und Zusatzstoffe, als auch Verfahren. Stark verankert sind auch sozio-kulturelle Werte wie Tierwohl, Authentizität oder Fairness. Als Strategie für globale Herausforderungen wie nachhaltige Ernährungssicherheit sei dieses Szenario aber nicht maßgeblich, so die Autoren.

Anders Szenario 3, die produktive Ökologisierung. Hier kommt der Innovation eine hohe Bedeutung zu. Viele Landwirte sollen bald auf Bio umstellen, der Biomarkt soll sich rasch ausdehnen und das Wachstum anderer Nachhaltigkeitslabels bremsen. Die landwirtschaftliche Produktivität wird gesteigert und die Effizienz der Energie- und Ressourcennutzung erhöht. Keine Kompromisse gibt es beim Tierwohl. Messbare Wirkungen auf Gesundheit und Ökosysteme lösen vormals diffuse qualitative Kriterien ab. Vorausgesetzt, die Produktivität der Bio-Landwirtschaft ließe sich um 30 Prozent steigern, wäre dieses Szenario laut den Verfassern eine wirkungsvolle Ökologisierungsstrategie. Durch regionale Anpassung könnte sie zum globalen Mainstream werden.

Szenario 4 kombiniert 2 und 3 – und ist laut dem Papier am besten geeignet, eine nachhaltige Transformation der Landwirtschaft zu erreichen. Die Bio-Landwirtschaft habe hier eine „doppelte Vorreiterfunktion“ inne: Eine produktive Nachhaltigkeitsstrategie, stärker auf Wissenschaft und Innovation ausgerichtet, als Einstieg in den Biolandbau. Und darauf aufbauend eine in Qualität, Werte, Ethik oder Umweltschutz führende Beste Praxis.

nnn

Diskutierten auf der BioFach zum Thema Bio 3.0: (v.l.n.r.) Rudolf Vierbauch (Obmann Bio Austria), Steffen Reese (Geschäftsführer Naturland), Daniel Bärtschi (Geschäftsführer Bio Suisse) und Jan Plagge (Präsident von Bioland). © Adrian Krebs, FiBL.


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Kommentar von Gerd Schnepel |

Wieder nicht aufgepasst, liebe Kollegen! VIER Männer, oder sogar 8!! NULL Frauen.

Davon abgesehen natürlich Alternative 3. Im "globalen Süden"! Oder wenigstens in Südostnicaraguas feuchten Tropen, wo wir herumkämpfen mit all den Schwächen, die oben unter 3 genannt sind. Mit der 2 dazu erreichen wir erstmal nicht so viel, aber bei noch stärkerer Zunahme des Exports auf diese 2er-Märkte machen wir das auch gerne mit. Wer hilft? Uns! Einer Assoziation armer Kleinbauernfamilien im zweitärmsten Land Amerikas, aber als Agrarland mit hohem Potential. (Außerdem müssen wir den "interozeanischen Kanal" auch Chinakanal genannt übertrumpfen.)

Sano y Salvo • Safe and Sound, Primera Asociación Campesina e Indígena de Cultura y Producción Ecológicas en la Biosfera del Sureste de Nicaragua



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