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Kunden vertrauen Läden meist blind

von Horst Fiedler (Kommentare: 0)


Große Herkunfts- und Qualitätsnachweise von Lebensmitteln sind offenbar nur für einen kleinen Teil der Kunden von Bioläden interessant. Das wurde bei einer Veranstaltung zutage gefördert, die sich mit der Frage "Woher kommt mein Bio?" im Zusammenhang mit Handelsmarken beschäftigte.

Die bei Handelsmarken meist fehlenden Herkunftsangaben scheinen die meisten Kunden gar nicht zu interessieren. Markus Maaß, Inhaber des Biomarktes Keimblatt in Greifswald und Besucher der Veranstaltung, berichtete, dass unter zehn Prozent seiner Kunden nach Herkunft und Qualität der Waren fragten. "Demeter hört nach den r auf", formulierte er plastisch und meinte, dass sich der Aufwand. endlose Nachweislisten zu erstellen und zu kommunizieren, nicht lohne: "Dem Kunden ist es egal, was im Laden steht. Er erwartet die Kompetenz von uns." So wisse ein großer Teil seiner Kunden nicht, dass Davert-Produkte jetzt ein Bioland-Zeichen tragen. Die früheren Hinweise auf einzelne Anbauprojekte von Davert hätten Kunden demnach ebenfalls gar nicht wahrgenommen. Der Ladner aus Greifswald berichtete weiter, dass die Kundengruppe, die es genauer wissen will, nur langsam wachse, während die mit Vertrauensvorschuss für den Laden vergleichsweise schnell zunehme.

Christoph Gerhard, Spezialist für Bio Category Management und ebenfalls im Publikum, brachte noch ein anderes Argument, warum sich Kunden nicht fragten, wo die Ware herkäme: die Verfügbarkeit. "Die Verfügbarkeit einer Marke ist die Attraktivität einer Marke", so seine These, die er aus Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis ableitet. Dort hätten Käufer der Alnatura-Marke bei dm wie selbstverständlich zu dm-Bio gewechselt als Alnatura ausgelistet wurde. "Es ist nicht relevant, woher das Bio kommt, sondern wie man an Bio-Produkte herankommt", stimmte ein anderer Diskutant ein. Wer weit fahren müsst, dem sei es egal, ob er Alnatura oder dm-Bio oder Dennree bekomme. Außerdem könne nicht jeder Verbraucher für alle Produkte Experte werden, ergänzte ein weiterer Besucher der Veranstaltung. Zumindest werde das Vertrauen in den Fachhandel immer größer sein als gegenüber dem LEH.

Preisdruck in allen Vertriebskanälen

Damit war das eigentliche Thema der von Journalist Leo Frühschütz geleiteten Veranstaltung hinfällig, zumal Thore Quednau nur auf die Fachhandelstreue der Marke Lebensbaum eingegangen war und Antje Frenzel von Ökofrost betonte, dass Biopolar keine Handels-, sondern eine Tiefkühlmarke sei, die über verschiedene Vertriebswege zum Kunden gelangt. Bei der Transparenzinitiative ihres Unternehmens habe sie ebenfalls festgestellt, dass Endverbraucher viele Informationen gar nicht haben wollen. Zum Preisdruck im LEH sagte sie, dass der genauso im Fachhandel vorhanden sei und deshalb die Einteilung in gut und böse nicht zulässig wäre. Der Bio Company-Einkäufer hatte zuvor die Abwanderung von Fachhandelsmarken in den LEH beklagt und kritisiert, dass die Hersteller dort nicht mehr für Preissicherheit sorgen könnten. Eine Ausnahme sei Andechser.

Heinz-Jürgen Wombacher von der Bio Marktgemeinschaft e.G. sprach sich klar gegen Handelsmarken aus und kündigte an, Restbestände von Dennree auszulisten. "Herstellermarken subventionieren Handelsmarken", sagte er und sprach sich für die Zusammenarbeit mit regionalen Großhändlern und als Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft für eine Stadt-Land-Verbindung aus, die regionale Hersteller stärke. (hf)


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