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Bio-Verpflegung in Kitas und Schule – wie angehen?

von Alexander Reinbold (Kommentare: 0)


v.l.n.r. Gilbert Bielen, Anke Brückmann,Matthias Rodewald

Eine komplette Bio-Verpflegung ist für Kitas und Schulen möglich – auch zu einem machbaren Preis. Dazu beitragen kann, dass man die Küchenstruktur umstellt und beispielswese bereit ist, Lebensmittel komplett zu verarbeiten. Das war das Fazit einer Diskussionsrunde, bei der Praktiker über ihre Erfahrungen berichteten.

Einer von ihnen ist Gilbert Bielen. Als Küchenleiter im Kinderkrankenhaus St. Marien hat er das dortige Angebot 2008 auf Bio umgestellt. Seine Küche arbeitet im 7-Tage-Betrieb mit 350 Essen am Tag und beliefert auch drei Kitas. Um Kosten zu sparen, verarbeitet Bielen Lebensmittel komplett. Sei es beim Brokkoli, wo der Stunk zur zur Suppe verkocht wird. Oder auch beim Fleisch: Er kaufe alle vier Wochen ein ganzes Tier und zerlege es selbst. Eine empfehlenswerte Maßnahme, die allerdings nicht jeder Verpflegungsbetrieb übernehmen kann. Die Kinder versucht er, so oft wie möglich in den Zubereitungsprozess einzubinden. Allein über das Apfelschälen bekämen sie wieder einen Bezug zu Nahrungsmitteln. Die Resonanz bei den Eltern sei erfreulich, und mittlerweile bietet er Bio-Kochkurse sowohl für Eltern und Kinder an.

Weil Eltern stärker sensibilisiert sind für gesunde Ernährung, sei Bio in Kitas und Schulen deutlich ausgeprägter als in Betrieben sagt Anke Brückmann. Die Dipl. Oecotrophologin ist bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit zuständig für das Programm „Bio kann jeder“, das den Aufbau von Schul- und Kitaverpflegung vorantreiben will. In ihren Workshops, an denen sowohl Kitas und Schulen teilnehmen, die schon Bio anbieten, aber auch Neulinge, habe sie festgestellt, dass die Vorzüge von Bio oftmals noch erklärt werden müssen. Den Einsteigern rät sie, mit der Umstellung einzelner Produkte anzufangen und nicht gleich das komplette Essen umzustellen. Dabei sollten sie zum Beispiel auf Angebote achten und zunächst mit solchen Produkten umsteigen, bei denen der Preisabstand zu konventionellen Pendants nicht so groß ist. Als Beispiel nannte sie Pasta. Auch sei es aus ihrer Sicht ratsam, vor der Umstellung alle Beteiligte einzubeziehen, vom Träger bis zu den Eltern. Um mit ihnen zu klären, wie man den Umstieg angehen will und welche Produkte im Vordergrund stehen sollen. Wie viele Kitas deutschlandweit inzwischen auf Bio umgestellt haben, ließe sich allerdings nicht sagen, weil sich Kitas nicht zertifizieren lassen müssen.

Matthias Rodewald hat nach seinem Studium ein Bio-Catering gegründet und dabei von Beginn an komplett auf Bioland-Qualität gesetzt. Die Beschaffung der frischen Lebensmittel laufe problemlos über Großhändler oder kleine, regionale Erzeuger, mit denen er schon länger partnerschaftlich verbunden ist. Um Kitas für Bio zu gewinnen sei es wichtig, dass sie die regionalen Kreisläufe bei Erzeugung und Verarbeitung verstehen und damit den Mehrwert gegenüber Convenience-Produkten. Oft sei das Bewusstsein vorhanden, aber bei der Entscheidung für einen Caterer sei immer noch der Preis maßgeblich. „Wenn Bio 20 Prozent teurer ist, entscheiden sich die Kitas dann eben häufig doch für den konventionellen Anbieter.“ Vergessen dürfe man darüber hinaus aber nicht, dass Bio alleine nicht ausreiche. „Auch die Dienstleistungsqualität muss stimmen und zum Beispiel Lieferzeiten eingehalten werden.“


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