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Bio 3.0 – Diskussion geht weiter

von Alexander Reinbold (Kommentare: 0)


V.l.n.r: Gertrud Grabmann (Bio Austria), Hans Bartelme (Naturland), Urs Brändli (Bio Suisse), Stephanie Strotdrees (Bioland), Moderator Thomas Fertl (Bio Austria), Susanne Horn (Neumarkter Lammsbräu), Volker Krause (Bohlsener Mühle)

Der Öko-Landbau steht für Nachhaltigkeit. Gleichzeitig konkurriert er mit anderen Agrarsystemen und ist bisher kein wesentliches Lösungsinstrument für die Herausforderungen in der Breite. Wie reagiert die Bio-Bewegung darauf? 

Anlässlich der vorigen BioFach veröffentlichten Bioland, Naturland, Bio Suisse und Bio Austria gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau(FiBL) ein Papier zur Entwicklung des Ökolandbaus und der ökologischen Lebensmittelwirtschaft. „Wege zu mehr Bio in Europa und weltweit“ hieß es und sollte die lebendige Diskussion zum Biolandbau 3.0 vorantreiben. Seitdem wurde innerhalb der Organisationen und auch übergreifend viel diskutiert. Ein Jahr später stellten sich die vier Verbände gemeinsam mit Partnern aus dem Markt der Diskussion. 

In der Bildung verankern 

Für Gertraud Grabmann und Bio Austria ist Bildung ein zentraler Aspekt, um den Biolandbau voranzubringen. „Mit ihr lässt sich ein Bewusstsein bei den Menschen schaffen“, sagt die Obfrau des Verbands und plädiert dafür, das Thema von der Grundschule bis zum Studium in den Bildungsplänen zu verankern.

Hans Bartelme (Präsidium Naturland) macht die Widersprüche deutlich, die bei der Diskussion um die Zukunft von Bio entstehen. Beispiel große Bio-Betriebe: Tragen sie dazu bei, dass Bio verwässert wird? Oder braucht man größere Betriebe womöglich, um mehr Bio zu schaffen? Welche Angebote macht man größeren konventionellen Ställen, die umstellen wollen, dies aber in den nächsten zwanzig Jahren aufgrund fehlender Ausstattung nicht umsetzen können? Auch mit Blick auf neue Produkte müsse man sich Fragen stellen: „Ist Bio-Kindersekt tatsächlich das, was wir wollen?“ 

Urs Brändli von Bio Suisse plädierte dafür, Partnerschaften mit ähnlich gesinnten Organisationen einzugehen, zum Beispiel mit Fair-Trade- oder Nachhaltigkeitslabels. Sonst könne es sein, dass Bio beim Thema Nachhaltigkeit überholt werde. Man müsse aktiv das Gespräch mit anderen suchen, so Brändli. Er setzt sich zudem für eine stärker emotional geprägte Kommunikation ein, um breite Käuferschaften zu gewinnen. 

Stephanie Strotdrees (Vizepräsidentin Bioland und Landwirtin) zeigte sich erfreut, dass die Besucher der Veranstaltung aus allen Teilen der Wertschöpfungskette kamen. Sie habe beobachtet, dass es in vielen Bereichen zuletzt Innovationen gab, von der Züchtung bis zur Technologie. Im Handel gewännen die Food Assemblys mehr an Bedeutung. Strotdrees spricht sich allerdings stark gegen Innovationen bei Erbgut aus. Sie setzt sich für eine stärkere Vernetzung von Erzeugern, Herstellern und Handel ein und wünscht sich eine stärkere Bindung zwischen Wissenschaft und Praxis. Auch sie sagt, Öko-Landbau sollte in die Ausbildung der Landwirte integriert und prüfungsrelevant werden. 

"Verarbeiter müssen an der Diskussion teilnehmen" 

Susanne Horn (Neumarkter Lammsbräu) erklärte, die Verarbeiter spielten bei der Diskussion eine große Rolle. Sie sei deshalb froh, an der Diskussion teilzunehmen. Sie mahnte, Hersteller „können ein tolles Bio-Produkt kaputt machen.“  Für Volker Krause (geschäftsführender Gesellschafter Bohlsener Mühle) müssen die Hersteller mehr in die Diskussion einbezogen werden, weil sie den Verbraucher die Innovationen kommunizieren könnten. Er erinnerte zudem daran, dass „wir alle Zechpreller“ sind. Denn erst die folgenden Generationen kämen für die Umweltschäden auf, die wir heute etwa mit Pestiziden verursachen. Deswegen sei eine Weiterentwicklung von Öko-Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft so wichtig. 


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